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Auto-Teile zum Nulltarif: Facebook öffnet Frictionless Sharing

Auto-Teile zum Nulltarif: Facebook öffnet Frictionless Sharing

Jan 19, 2012

Ja, wir laufen Gefahr, zum Facebook-Blog zu mutieren – aber wenn es um neue Social Media Trends geht, ist das soziale Netzwerk aus dem sonnigen Menlo Park eben auch DAS Zugpferd schlechthin…gerade für kundenorientierte Entwickler.

Das Neuste aus deinem sozialen Umfeld

Einige Facebook-Nutzer in Deutschland durften dank Simfy und zum Teil auch Spotify eine neue, zentrale Funktionen ja bereits kennen lernen, das “Frictionless Sharing“.

In den beiden Fällen in Erscheinung von Meldungen der Art “Nutzer xy hört gerade Lied z”. So ganz neu ist das alles nicht, denn auch externe (mobile) Apps konnten bisher schon automatisch generierte Meldungen posten (ich verweise hier mal ganz nebenbei auf unsere kleines Local-Messaging-Experiment Squogg im iTunes Store). Nur wird dieses Konzept nun quasi auf alle möglichen Aktivitäten innerhalb so genannter Social Apps erweitert.

Entsprechend hat Facebook heute bekannt gegeben, dass die Funktion über den neuen Open Graph nun für alle App-Entwickler zur Verfügung steht. Bisher war dies nur einigen, ausgewählten Test-Apps von Partnern vergönnt. Es wird sowohl für den einfachen Facebook-Anwender als auch für Software-Experten also Zeit, sich mit der schönen neuen Sharing-Welt auseinanderzusetzen.

Was ist Frictionless Sharing?

Einfach gesagt heißt dass, dass Apps vollautomatisch die Aktivitäten des Nutzers an dessen Pinnwand…Verzeihung, Chronik….heften dürfen. Die Freigabe dafür muss von der jeweiligen App natürlich vor der ersten Anwendung eingeholt werden – aber sobald der Nutzer zustimmt, darf grenzenlos gepostet werden, auch ohne vorherigen Klick auf Like- und Share-Buttons.

Die Idee dahinter ist, den sozialen Austausch als Kern der Plattform deutlich zu vertiefen (neben dem Ziel, Facebook zum virtuellen Tagebuch umzubauen).
So darf man dann zukünftig erfahren, welche Musik die eigenen Freunde hören, welche Artikel sie lesen, was sie kochen, wohin sie reisen, was sie fotografieren oder welche TV-Sendung sie anschauen. Daraus können sich – gemäß den Visionen von Herrn Zuckerberg – dann neue Inspirationen für das eigene Tun entwickeln. Schließlich ist es ja heute bereits so, dass Internetanwender auf interessante Links, Artikel oder Anwendungen oftmals durch Empfehlung in sozialen Netzen stoßen. Dieses Prinzip wird nun also von Facebook ausgeweidet…äh….ausgeweitet und als Automatismus zum integralen Bestandteil der Plattform.

Wie kann ich das nutzen?

Nun, aus Nutzersicht muss man nicht viel tun, außer die entsprechenden Apps starten und alle Freigaben bezüglich Facebook erlauben.
Noch hält sich die Auswahl in Grenzen, abgesehen von den oben genannten Musikdiensten. Aber Facebook hat heute auch eine Reihe neuer Apps vorgestellt, die auf Frictionless Sharing setzen.

Entwickler müssen die Funktionen natürlich explizit im Code ihrer App einbauen. Wer aber bereits mit Facebook-Apps zu tun hatte, steht da nicht vor allzu großen Herausforderungen. Ein entsprechendes Tutorial gibt es auf den Entwicklerseiten.

Wir raten dazu, sich mit dem Thema zeitnah auseinanderzusetzen. Das Interesse von App-Anbietern ist recht groß, schließlich bietet Frictionless Sharing konzeptionell starke Vermarktungsmöglichkeiten – und wer diese Funktion nicht einbaut wird sicher bald von netzaffinen Marketingleuten und Beratern zu hören bekommen, dass er im Getöse der Auto-Postings untergehen wird. Berechtigt?

Klingt super, oder?

Tja, wie wir in unserem Umfeld schon bemerken steht zu Erwarten, dass viele App-Anbieter diese Funktion recht schnell einbauen. Yahoo und Spotify konnten als erste Test-Apps schon große Erfolge verzeichnen, hatten aber natürlich den Startvorteil, dass sie die Aufmerksamkeit auf den Nutzer-Pinnwänden nicht mit anderen Apps teilen mussten.

Es gibt durchaus ein paar kritische Fragen, die sich auch Unternehmen stellen sollten, bevor sie mit ihren Apps auf diesen startenden Zug springen:

  • Ganz grundsätzlich: Wie werden die Nutzer reagieren, wenn statt einzelner Apps plötzlich eine Vielzahl davon jede noch so nichtige Aktivität über die Timelines verbreiten? Eventuell werden diese Posts schnell eher negativ aufgefasst (die berühmten FarmVille-Kühe mal als mahnendes Beispiel)
  • Soll Frictionless Sharing verpflichtend oder optional bei der Installation einer Anwendung sein? Ersteres könnte Nutzer abschrecken, letzteres wird möglicherweise durch die meisten Nutzer abgelehnt, so dass die möglichen Werbeeffekte verpuffen.
  • Sind Aktivitäten und Contents in meiner App wirklich wichtig genug für das breite soziale Umfeld meiner Nutzer – oder spreche ich eher enge Zielgruppen an, die sich durch gut gezieltes Marketing effizienter ansprechen lassen ohne den Rest zu nerven?
  • Kann die Qualität aller (per Auto-Post verbreiteten) Contents in meiner App sichergestellt werden oder können manche davon andere Nutzer eher abschrecken?
  • Die Tatsache, dass jemand einen bestimmten Artikel liest oder ein Lied hört heißt ja nicht automatisch, dass er selbige gut findet und weiterempfehlen möchte. Wie umgeht man solche ungewünschten Empfehlungen ohne das automatische Sharing abzustellen?

Wir raten Unternehmen – wie eigentlich immer – dazu, sich erstmal in Ruhe mit den Themen und den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, bevor eine “Das brauchen wir auch!”-Entscheidung gefällt wird. Ohne Frage kann Frictionless Sharing ein gutes Marketingtool sein, es kann aber genauso gut kontraproduktiv wirken. In manchen Szenarien, gerade mit Hinblick auf die ersten beiden Punkte kann das klassische, aktive Empfehlen ein weitaus besseres Werbemittel sein, als großflächige Auto-Postings.

Wer sich da nicht sicher ist, kann gerne auf die Beratungsleistungen professioneller Dienstleister zurückgreifen…wir kennen da einen :D





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