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5 Kostenfaktoren der Smartphone App Entwicklung

5 Kostenfaktoren der Smartphone App Entwicklung

Mrz 25, 2014

Dieser Artikel beleuchtet 5 Kostenfaktoren, die bei der Planung einer Smartphone App gerne vergessen oder unterschätzt werden.

Kleines Display, kleiner Preis?

Gängiges Szenario: Ein euphorischer Kunde erläutert uns die Idee zu einer tollen App, mit der seine Firma endlich in den boomenden Smartphone-Markt einsteigen will.
Und voller Tatendrang wurde auch gleich ein Projektbudget festgelegt. Was kann so eine App schon kosten? Die Idee steht, noch ein bis zwei Entwickler an den Computer gesetzt…€5.000 – €10.000 reichen doch locker. Dann ab in den App Store mit dem Endprodukt und warten, bis die erste Download-Million erreicht ist…

Der nächste Moment verlangt uns dann psychologisches Feingefühl ab: Denn um im App-Markt Erfolg zu haben, genügt eine in Code gegossene Idee alleine nicht mehr. Professionelle Apps benötigen in allen Phasen viel Know-How und Aufwand – mit erheblichen Auswirkungen auf Zeit- und Budgetplanung. Somit weicht unsere Kostenabschätzung dann gerne deutlich von der des Kunden ab.
Dass es dann meist doch zu einem Projekt kommt hat einen Grund: Der Schritt in das Mobile Business wird auch weiterhin mit sehr guten Umsatzchancen belohnt, sofern man bereit ist, entsprechende Vorleistungen zu bringen.

Aber wie kommt es zu den Fehleinschätzungen bei der Planung einer App? Nun, es gibt Faktoren, die mangels Erfahrung mit dieser Art von Projekten gerne komplett übersehen oder stark unterschätzt werden. Wir zählen die wesentlichen 5 davon im Folgenden auf!

1) Interface-Design

Smartphone-Besitzer sind verwöhnte Wesen. Auch ein noch so tolles Konzept braucht im App Store daher ein augenschmeichelndes, unverwechselbares Interface und intuitive Workflows, um aus der Masse der Apps hervorzustechen.Weather HD: Eigentlich nur noch eine Wetter-App - aber für viele iPhone-Nutzer die schönste.

Dieser Punkt wird gerne unterschätzt, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf User-Resonanz und Markterfolg. Gleichzeitig öffnet man durch Vernachlässigung des Designs auch unnötige Flanken für potentielle Wettbewerber (und die werden kommen!).

Auch wenn Apps auf dem kleinen Screen unscheinbar wirken – oft steckt in den erfolgreichsten Anwendungen einiges an Arbeitsleistung versierter Grafik- und Interface-Designern. Diese kümmern sich unter anderem um:

  • eine optisch ansprechende GUI, zugeschnitten auf Thema / Zielgruppe sowie eventuell auf die Corporate Identity
  • ein logisches, umfassendes Workflowkonzept, das gängige Interface-Standards und Eigenständigkeit verbindet
  • ein Interface-Design, das intuitiven Zugriff auf die wesentlichen Features und Abläufe ermöglicht
  • ein grafisches App-Icon mit Wiedererkennungswert – auch für die weitere Vermarktung (Social Media Channels, Ad-Kampagnen)

Wie auch bei den nächsten Punkten ist es schwierig, hier eine Kostenabschätzung zu geben. Für ein engagiertes App-Projekt überschreitet man schnell die €2.000-Grenze – einen erfahrenen Designer vorausgesetzt. Zeitlich sollte man auf jeden Fall auch bei kleinen Projekten von mindestens 14 Tagen für die Design-Phase ausgehen – denn oft folgt den ersten Konzepten ein kontinuierliches Abstimmen mit den Wünschen des Kunden.

Smartphone App Workflow Modell (Vergrößerung auf Kundenwunsch nicht verfügbar)

2) Entwicklung und Hosting

Entwicklung braucht man, das ist klar. Doch oft ist der Aufwand hier weit höher als man denkt, denn eine App besteht nicht einfach nur aus dem Client-Code für das Smartphone. Gerade bei Apps, die mit dem Internet verbunden sind (und welche sind das nicht) kommen hier noch weitere Elemente hinzu:

  • Das App-Backend – d.h. Server – das entsprechend den Anforderungen geplant, entworfen und installiert werden muss
  • Die zu definierenden Datenbanken sowie Kommunikationsprozesse zwischen Client und Server
  • Sicherheitsmaßnahmen, um Anwendung und Kommunikation nicht angreifbar zu machen
  • Zudem: Die Optimierung der App für verschiedene Geräteklassen und Betriebssysteme

Selbst Apps mit an sich wenig Funktionen können je nach Datenstruktur und Sicherheitslevel eine komplexe Infrastruktur benötigen. Wer im Bereich IT und Entwicklung nicht versiert ist, sollte den Aufwand gar nicht erst raten, sondern sich von einem Partner (uns zum Beispiel) eine erste Abschätzung einholen.

3) Testing und Bugfixing

Ja, natürlich wäre es optimal, wenn die erste lauffähige App-Version fehlerfrei wäre und von jedem Nutzer intuitiv bedient werden könnte. Doch meist steckt der Teufel im Detail, und selbst versierteste Code- und Interface-Magier können nicht alle Szenarien und Eventualitäten überblicken.

Hier kommt der Beta-Test ins Spiel! Denn ein Problem erst dann zu finden, wenn die App im App Store steht ist kein wünschenswertes Szenario. Zumal zu allem Ärger die Freigabe von Updates (speziell bei Apple iOS) selbst im Notfall ein paar Tage dauert.

Natürlich können Mitarbeiter und Entwickler die App im Vorfeld auch testen. Allerdings haben externe Beta-Tester einige entscheidende Vorteile:

  • Sie gehen unbeeinflusst und ohne Vorwissen an die App heran – wie der Endnutzer im App Store
  • Sie haben unterschiedliche Fertigkeiten und Erwartungen bezüglich Smartphone Apps
  • Sie ermöglichen Tests unter Bedingungen, die sich in intern nicht alle simulieren lassen (Handy-Hardware, OS-Version, Datenverbindungsqualität, Abhängigkeiten mit anderen Apps)
  • Und – Last but not least – spielen Tester als Early Adopter auch bei der Vermarktung eine Rolle, da sie „ihr“ App-Projekt meist im eigenen Freundeskreis oder in Foren weiter empfehlen!

Zeit und Budget für eine Beta-Phase einzuplanen ist also aus mehreren Gesichtspunkten nützlich – während die Akquise der Tester schon in der Entwicklungsphase starten kann, sollten für die Testphase (inklusive Updates/ Bugfixes) mindestens (!) 14 Tage angesetzt werden.
Wege um passende, für die Endnutzer repräsentative Tester zu finden gibt es mehrere. Im Web aktive Firmen können ihre Facebook-Follower aktivieren. Wer (noch) nicht im Social Web ist kann einen Aufruf per Ad-Kampagne starten (eventuell mit Verweis auf eine Beta-Homepage), in Fach-Foren suchen oder auf spezialisierte Test-Vermittler zugreifen.

Nicht unterschätzen sollte man neben der Akquise zudem den Betreuungsaufwand: Beta-Tester sind meist recht aktive Kerlchen, die jedem noch so abseitigen Bug nachstellen…man darf sich also auf VIIIEEEEL (wertvolles) Feedback freuen, dass bearbeitet und beantwortet werden will. ;).

4) (Social) Marketing

Die Zeiten, in denen sich neue Apps von alleine verbreiteten sind leider lange vorbei. Wer sich jetzt in die großen Stores wagt, konkurriert Tag für Tag mit hunderten von neuen Releases, die sich zu den etablierten Platzhirschen gesellen. Entsprechend muss die eigene App also durch Marketing gepusht werden.

Nun gelten auch hier in der Web bzw. Mobile Economy etwas andere Gesetze als im klassischen Offline-Marketing. Firmen, die sich neu in den digitalen Markt wagen, tun sich mit den Gepflogenheiten bezüglich Transparenz, Kommunikation und Dynamik oft schwer und sollten auf versierte Dienstleister zurückgreifen, um Fettnäpfchen zu umschiffen.

Zur Grundausstattung der Vermarktung in Zeiten des Web 2.0 zählen unter anderem:

  • Ein schlüssiges Vermarktungskonzept, dass möglichst schon in der Vor-Release-Phase ansetzt (siehe Beta-Tester)
  • Präsenzen in den wesentlichen Social Media Channels (Facebook, Twitter) – samt Personal, dass diese Kanäle mit Inhalten füttert
  • Moderne Werbeformen (Social Ads, Gewinnspiele, virale Kampagnen)
  • Integration von sozialen Features in die App (z.B. Facebook Connect)
  • Natürlich können je nach App / Zielgruppe auch klassische Web-Präsenzen und Print-/TV-Kampagnen von Nutzen sein

Kaupert Sttadtführer - erfolgreicher Mittelstand auf Facebook

5) Update- und User-Management

Die App ist da, die User nutzen sie kräftig, die Werbekampagne wirkt auch, hurra!
Doch Vorsicht, in einem so dynamischen Markt geht es bezüglich der Kosten genau dann erst richtig los. Denn um auch auf längere Sicht erfolgreich zu sein (auf Nachahmer braucht man im App Store nicht lange warten), muss man dauerhaft am Ball bleiben. Was heißt das genau? Nun einige Beispiele:

  • Community-Manager und Support-Mitarbeiter müssen das Kundenfeedback aus allen Kanälen auswerten, steuern und aggregieren – um Probleme oder Wünsche frühzeitig zu erkennen
  • Die IT-Infrastruktur muss gewartet werden (Sicherheitsupdates! Backups!!) und an die zunehmende Nutzerzahl angepasst werden
  • Verbliebene Bugs müssen gefixt und von den Nutzern gewünschte Features in neuen App-Versionen implementiert werden
  • Markt und Wettbewerb sollten stetig beobachtet und analysiert werden, um nicht von unerwartetem Wettbewerb überrollt zu werden
  • Expansionen in neue Länder oder auf weitere Smartphone Plattformen müssen evaluiert und realisiert werden

Und, und, und…wer mit seiner App längerfristige Geschäfte realisieren möchte, sollte hier neben Zeit und Liebe auch einiges an operativen Kosten einplanen. Vor allem für überraschende Ereignisse wie ein plötzlicher Nutzeransturm nach einem Pressebericht, neue Wettbewerber oder Kommunikationspannen sollten Ressourcen und Pläne zur Verfügung stehen.

Fazit: Alles halb so wild

Okay, wir haben nun viele Kostenblöcke aufgelistet, die bei der Entwicklung und Vermarktung einer professionellen Smartphone App berücksichtigt werden sollten.
Abschrecken wollen wir damit aber niemanden. Wir richten uns mit diesem Artikel auch nicht an Hobby- oder Startup-Projekte, sondern an kommerzielle, von Firmen initiierte Apps, die sich auch amortisieren sollen – und wie eingangs erwähnt bieten für diese die App Stores noch immer ein starkes Ökosystem mit einem sehr guten Verhältnis zwischen Investitionen und Ertragschancen. Wer also ein gutes Konzept hat, sollte sich nicht scheuen, zusammen mit erfahrenen Partnern die Entwicklung in Angriff zu nehmen – nur eben auf Basis realistischer Erwartungen, damit alle Seiten am Ende ihren Spaß haben.

Das Synaptic Network Team und seine Partner stehen für die erste Analyse einer App und der voraussichtlichen Kosten gerne zur Verfügung. Die Chancen, dass aus einer guten Idee auch ein gemeinsames Projekt wird, sind ziemlich hoch. Mehr zu uns auf www.synaptic-network.com oder auf Facebook. Wir freuen uns über Anfragen bzw. wünschen allen Lesern viel Erfolg bei Ihren App-Projekten.

P.S.: Alle Kosten gelten natürlich auch für alle anderen (Desktop- oder Web-)Softwareprojekte – wir stellen nur immer wieder fest, dass die Kosten bei Smartphone Apps tendenziell weit stärker unterschätzt werden. Wahrscheinlich lassen sich viele von der Größe der Devices und den vielen, simplen Hobby-Apps in den Stores täuschen.





3 Kommentare

  1. Find gut, dass in dem Artikel die verschiedenen Komponenten der App Entwicklung hervorgehoben werden. Viele Kunden glauben immer noch, dass es hier nur darum geht „ein paar Zeilen Code zusammen zu hacken“…

  2. Ja , sehr guter Artikel. Das sind alles wesentliche Aspekte, die dem Kunden erklärt werden wollen und sollten!

  3. Dieser Post ist ein weiterer Beitrag, dass App-Entcklung genau so Komplex ist wie Softwareentwicklung. Und hier sind die Preise und Kosten durch aus referenziert.

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