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Geld verdienen mit Smartphone Apps (3) – In-App Käufe

Geld verdienen mit Smartphone Apps (3) – In-App Käufe

Jul 19, 2011

In der Reihe „Geld verdienen mit Smartphone Apps“ beschäftigen wir uns mit den Möglichkeiten, über Smartphone-Anwendungen Umsatz zu generieren.

Nach den Einführung in das Thema und dem App-Verkauf über Downloadpreise behandeln wir im dritten Teil der Serie eine Spezialität der App Stores – die In-App Käufe.

In-App Käufe – In or Out?

Es ist zugegeben kein neues Konzept: Schon lange gibt es Software, in der der Nutzer kostenpflichtig Features / Updates / Erweiterungen aktivieren kann. Bekanntestes Beispiel ist das „Windows Anytime Upgrade“, das es seit Windows Vista ermöglicht, per Online-Kauf auf höhere Windows-Versionen umzusteigen.

Trotzdem erlebt dieses Finanzierungsmodell erst mit der Verbreitung der Smartphone Apps einen regelrechten Boom. Schon kurz nachdem Apple In-App Käufe als Option für iOS Entwickler realisiert hat, haben diese sich – geschickt eingesetzt natürlich – als sehr effiziente Umsatzquelle bewährt. Mittlerweile haben daher auch Google, Microsoft und Blackberry In-App Käufe in ihre Plattformen integriert.
Wie die untenstehenden Marktdaten zeigen, verliert das klassische Finanzierungsmodell über reine Downloadpreise sukzessive Marktanteile gegenüber den freien Apps mit In-App Käufen oder hybriden Modellen.

Allerdings haben In-App Käufe nicht nur die Finanzierung verändert, sondern selbst wiederum auch erheblichen Einfluss auf die Gestaltung und Vermarktung von Anwendungen – der Social Gaming Boom in Smartphone-Apps und Sozialen Netzwerken basiert unter anderem auf dem Erfolg dieser neuen Umsatzquelle. Nutzer lassen sich durch kostenlose Basisversionen anlocken, müssen dann aber für Features und Erleichterungen bezahlen.


Distimo: Umsatzverteilung im iOS App Store 2010

Es gibt es also ein breites Interesse an In-App-Käufen, sowohl von Seiten der Entwickler als auch der Käufer. Grund genug, sich das Thema im Detail anzuschauen:

Implementierung von In-App Käufen

In-App Kauf aus Entwicklersicht

Bezüglich der Implementierung machen es die Plattform-Provider den App Entwicklern mittlerweile so einfach wie möglich. Über die Standard-SDKs lassen sich Kaufoptionen schnell in den App Workflow integrieren. Okay, natürlich nicht ganz so trivial wie bei der Festlegung eines Downloadpreises, der sich schlicht über das Web Backend des App Stores einstellen lässt. Trotzdem sollten versierte Entwickler bei iOS, Android & Co. keine großen Schwierigkeiten haben, In-App-Funktionen zu realisieren.

Wir wollen das daher nicht im Detail beschreiben, die offiziellen Dokumentationen sind durchgehend sehr gut und aufschlussreich.

Murphy’s Law

Ein nicht unerheblicher technischer Fallstrick ist der Umstand, dass die Anwendung zur Laufzeit mit dem App Store kommunizieren muss, damit die In-App Kauffunktion genutzt werden kann. Das verlangt einige Vorkehrungen für etwaige Worst Case Szenarien. Was passiert zum Beispiel wenn

  • der App Store temporär offline ist
  • der Store keine eindeutige Rückmeldung über den Erfolg des Kaufprozesses liefert
  • die Internetverbindung mitten im Kaufprozess abbricht

Je nachdem wie zentral der Kauf für die App-Nutzung ist kann man hier Nutzer ungewollt verärgern (es geht ja immerhin um Geld). Im Gespräch mit Kunden haben wir hier schon mehrmals ebenso skurrile wie ärgerliche Szenarien gehört. Natürlich wissen das auch die App Store Provider und versuchen dieses Thema über die Entwickler-Dokumentationen zu adressieren. Trotzdem fallen Probleme hierbei letztlich meist auf den App-Anbieter zurück (u.a. erkennbar an schlechten Bewertungen im App Store), so dass man sich vorausschauen mit entsprechenden Vorkehrungen beschäftigen sollte.

App Store Regelungen

Ist die App dann frei verfügbar, erfolgt die Be- und Auszahlungslogistik analog zu der bei einem einfachen App-Kauf.

  • Die Preise lassen sich gemäß den Vorgaben des App Store Providers festlegen – die Unterschiede bezüglich Preisrahmen und Staffelung sind ähnlich wie bei den App-Preisen
  • Aktive In-App Käufe lassen sich im App Store Backend flexibel administrieren (z.B. Preissenkungen für Sonderaktionen)
  • Alle Transaktionen werden über die Store Infrastruktur gemanagt, der App Entwickler erhält dann einen entsprechenden Anteil an den generierten Umsätzen (auch hier sind 70% mittlerweile plattformübergreifender Standard).

Viel zu beachten gibt es hier nicht – außer vielleicht die erlaubten Arten von In-App Käufen. Um wildwuchs zu vermeiden gibt es da einige Beschränkungen von Seiten der App Store Provider, auf die man im Normalfall aber nicht stoßen sollte (so kann man z.B. für den Zugriff auf kostenlose, externe Dienste wie Google Maps nicht per In-App Kauf plötzlich kassieren).

Typologie der In-App Käufe

In-App Käufe gibt es in vielerlei Varianten, die gängigsten Einsatzgebiete sind

  • Versionsupgrade: Der Nutzer kann aus einer Basis- oder Demoversion der App heraus auf höherwertige (z.B. werbefreie) Versionen upgraden
  • Datendownload: Der Nutzer kann den Datenbestand der App erweitern oder aktualisieren – z.B. neue Karten bei Navigationsanwendungen
  • Featurefreischaltung: Durch In-App Kauf werden neue Funktionen aktiviert
  • Coins: Der Nutzer kann sein reales Guthaben in eine virtuelle, appbezogene Währung tauschen – besonders beliebt bei Social Games
  • Abo: Der Nutzer erwirbt regelmäßige Aktualisierungen der Informationen / Daten – z.B. bei Online-Zeitungen

Das Abo-Modell wurde ja kürzlich von Apple eingeführt, um den Vertrieb digitaler Tageszeitungen zu erleichtern. Wie es sich in der Praxis und besonders für andere Anwendungsfälle (wer von uns verlegt schon eine Zeitung) eignet, wird sich demnächst zeigen.

Natürlich lassen sich auch klassische Shop-Konzepte per In-App Kauf realisieren. Allerdings erlaubt Apple seit neustem eigentlich keine alternativen Bezahlmöglichkeiten innerhalb von iOS Anwendungen mehr – App Entwickler müssen also zwingend auf die App Store Paymentfunktionen zurückgreifen. Da stellt sich natürrlich die Frage, ob man als Händler wirklich 30% des Umsatzes an Apple abdrücken möchte oder nicht besser auf eine mobile Webseite setzt…

Erfolgsfaktoren

In-app Kaufoption in TinyTower (iPhone)In-App Käufe nutzen den Umstand, dass sich der Kaufaffekt des Nutzers noch besser aktivieren lässt, wenn dieser sich bereits im Workflow der entsprechenden App befindet (und damit auf jedenfall schon eine Grundaffinität besitzt).

Besonders die Social Games der führenden Anbieter (Zynga) haben dieses Prinzip mittlerweile eindrucksvoll optimiert – hier werden Nutzer ununterbrochen aktiv dazu animiert, Geld für weitere (mehr oder weniger spielrelevante) Features auszugeben. Aber auch bei digitalen Zeitungen und Navigationssoftware steigt der Umsatz über In-App Finanzierungsmodelle rasant an.

Insgesamt ist diese Finanzierungsvariante also für App Entwickler äußerst attraktiv, sofern sie mit dem Konzept und Workflow der geplanten Anwendung vereinbar ist. Betrachtet man die Erfolgsfaktoren der In-App Käufe, lassen sich folgende Pros aufzählen:

  • Umsatzpotential: Hohe Kaufbereitschaft durch Anwender bei effizenter Integration (Affekt)
  • Realisierung: Einfache Implementierung (Standardfeatures in App Stores und Frameworks)
  • Management: Abrechnung und Logistik sind sehr simpel – analog zu kostenpflichtigen App Downloads
  • Skalierbarkeit: Einfache Erweiterung von kostenpflichtigen Features innerhalb einer bestehenden Anwendung
  • Multiplikatoren: Potentiell mehrfache Umsatzgenerierung pro App-Anwender über die Anwendungslaufzeit
  • Angebote: Temporär kostenlose / reduzierte In-App Features können als aktives Werbemittel genutzt werden

Fallstricke

Tja, In-App Käufe lassen sich so verschiedenartig einsetzen, dass Probleme entweder nur aus dem konkreten Anwendungsfall heraus identifizierbar sind oder sehr generisch beschrieben werden müssen. Grundsätzlich gilt es für App Entwickler auf folgende Faktoren zu achten:

  • App Konzeption: In-App Käufe haben erheblichen Einfluss auf den App Workflow und müssen daher schon im Vorfeld in die Konzeption einfließen
  • Management: Die Optimierung von In-App Käufen erhöht den Monitoring- und Testaufwand zur Laufzeit (nicht unterschätzen!)
  • Technologie: Wie oben beschrieben gibt es durch die Kommunikation zwischen der Anwendung und dem App Store einige Worst Case Szenarien, die codeseitig abgefangen werden müssen
  • Reputation: Der Grad zwischen Kaufanreiz und gefühlter Abzocke ist manchmal ein sehr schmaler – entsprechend ist vorsicht angesagt, wofür man Nutzer zur Kasse bittet!

Fazit

In-App Käufe bieten unter dem Strich also viele Vorteile, während die wenigen Herausforderungen sich mit genug Investition in Planung und Management eigentlich gut umschiffen lassen. Allerdings unterschätzen immernoch viele App Entwickler den hier nötigen Aufwand. Und eine nicht optimal und undurchdachte Implementierung von In-App-Käufen kann im guten Fall einfach zu ausbleibendem Umsatz, im schlechtesten Fall zu nachhaltiger Reputationsschädigung führen!

Darum gilt besonders bei diesem Thema: Die Einbeziehung eines erfahrenen Partners schon in der führen Konzeptionsphase lohnt sich durchaus (wir kennen da einen ;)). Zumindest sollte man sich aber mit dem Thema intensiv befassen und auch Erfahrungsberichte anderer App Entwickler lesen. Durch die Integration der in-App Käufe in den App-Code und Workflow lassen sich Fehler nur mühsam rückgängig machen (und oft muss man dazu den einige Tage dauernden App Store Prüfprozess durchlaufen).

Update: 20.07.2011

Kleiner Nachtrag: Google ermöglicht nun (vorerst in den USA) den Zugriff auf die Android In-App-Bezahlfunktionen auch für Web-Anwendungen (zu der Meldung) – und das bei angenehmen 5%, die Google als Umsatzanteil einbehält. Somit kann man dem stark steigenden Anteil an Anwendern mit Android-Konto eine zusätzliche, einfache Bezahloption anbieten. Wir sind gespannt, wann wir auf die erste Implementierung stoßen.





3 Kommentare

  1. Frederik /

    Nicolas Lovells Blog „GAMESbrief“ liest sich wie das offizielle PR-Magazin des In-App-Purchasing, aber in gut. Die Tag-Sammlung seiner IAP-Beiträge:

    http://onurl.de/AWExAWE

  2. Danke für den Link. Die Statistiken zu IAPs sind wirklich immer wieder beeindruckend – und oft vorbei an dem, was der gesunde Menschenverstand erwarten würde: Wie stark einige Social Games den Nutzer zu IAPs drängen, grenzt schon fast an Nötigung. Trotzdem funktioniert es…

  3. Hey Stefan, dank dir für den guten Beitrag. Da du nicht genau auf die Implementierung von In-App-Käufen eingehst und sich da sehr viel getan hat, wollte ich dir mal einen Link da lassen, falls du oder jemand auch für die technische Seite der Implementierung interessiert: http://www.flyacts.com/blog/neues-vom-in-app-purchase-fuer-phonegap/

    Liebe Grüße,
    Johanna

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