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Geld verdienen mit Smartphone Apps (1): 10 Grundfragen

Geld verdienen mit Smartphone Apps (1): 10 Grundfragen

Jun 27, 2011

Abseits der Open Source Szene und ambitionierter Hobby-Programmierer ist die Entwicklung einer Smartphone App nahezu immer mit kommerziellen Interessen verbunden. Manchmal zwar indirekt – wenn z.B. Firmen kostenlose Werbe-Apps verteilen – oft aber doch mit der klassischen „Einnahmen >> Ausgaben“ Kalkulation dahinter.

Dieser Artikel soll einen ersten Überblick zum Thema „Geld verdienen mit Smartphone Apps“ bieten. Aus Gründen des Umfangs splitten wir ihn in mehrere Teile, die wir nach und nach veröffentlichen:

  • Teil 1: Grundfragen der App Finanzierung – welche Fragen müssen vor der Wahl einer Finanzierungsvariante gestellt werden
  • Teil 2: Kostenpflichtige Smartphone Apps – das klassische Modell: Eine App, ein Preis
  • Teil 3: In-App Kauf – die eigene App als Marktplatz. Lohnen sich kostenpflichtige Zusatzfeatures
  • Teil 4: Advertisement – Umsatz generieren mit Bannern und Ads

App Stores – die digitalen Mega Malls

Die anfängliche Goldgräberstimmung, die gerade der iPhone App Store erzeugt hat, hat sich stark gelegt (ob leider oder gottseidank ist eine Frage der Perspektive :)). Anwender können je nach App Store / Smartphone OS mittlerweile aus tausenden von Apps wählen, und täglich kommen neue hinzu. Neuste Daten sprechen momentan von etwa 500.000 Apps im Apple App Store und 300.000 im Android Market. Es kann sich also jeder selbst ausrechnen, wie wahrscheinlich der legendäre „Lucky Shot“ angesichts dieses Wettbewerbsumfeldes nun ist. Besser als Glück ist es hier, auf gezieltes Vorgehen zu setzen.

Marketing ist dabei nur eine Säule, um in der Masse der Smartphone Apps erfolgreich zu bestehen (natürlich vorausgesetzt die App an sich ist qualitativ hochwertig) – nicht minder wichtig ist es, dass sich die gewonnene Aufmerksamkeit der Anwender auch effizient in Umsatz verwandeln lässt. Denn angesichts der großen Auswahl wenden sich unzufriedene Nutzer schnell wieder anderen Angeboten zu, eventuell ohne auch nur einen Cent Umsatz generiert zu haben.

Die zunehmende Professionalisierung des hart umkämpften Smartphone App Marktes macht eine detaillierte Vorausplanung also unumgänglich. Immerhin gibt es mittlerweile vielfältige Erfahrungswerte und exzellente Tools zur Einbindung einzelner Finanzierungsvarianten. Speziell die Backends der großen App Stores machen es einigermaßen versierten Entwicklern recht einfach, Bezahlprozesse zu implementieren und zu managen.

App Monetarisierung – Grundfragen

Schon in der Konzeptionsphase einer Smartphone App sollte man sich bewusst werden, welche Refinanzierungsstrategie anvisiert wird – denn jede Variante hat, sofern man sie optimal nutzen möchte, Einfluss auf den App Workflow sowie das Interface-Design. Zudem ergeben sich noch eine Reihe technischer bzw. logistischer Folgeentscheidungen, z.B. durch die Einbindung externer SDKs oder den Auswahlprozess der passenden Affiliate Partner, die man bei der Projektplanung berücksichtigen muss. Bei einem kommerziellen Projekt folgt also die Detailkonzeption der App sinnvollerweise immer nach der Finanzierungsentscheidung.

Aber worauf soll man im Vorfeld nun achten? Zugegeben, wir bei Synaptic Network tun uns immer schwer, pauschale Ratschläge der Form „Wenn A, dann B“ zu erteilen. Wirklich kompetente Entscheidungen verlangen immer einen detaillierten Blick auf den Einzelfall. Trotzdem gibt es einige Fragen, die man als App Entwickler beantworten sollte, bevor es an die Finanzierungsfrage geht. Wir stellen hier 10 davon vor, die uns in eigenen Projekten öfter begegnet sind:

  • Ist die App ein isoliertes Einzelprojekt oder Teil einer komplexeren Produktstrategie – wenn man die Idee der Ideen hat, will man diese natürlich angemessen vergolden. Wer sich aber z.B. als App Entwickler oder Social Game Provider einen Namen machen will, mag bei der ersten App womöglich die Frage der Umsatzoptimierung hinten anstellen zugunsten stärkerer Reichweite.
  • Wie flexibel sind Inhalte und App-Workflows – ja, wir haben zwar gesagt, dass sich der Workflow dem Finanzierungsmodell anpassen sollte, aber manchmal sind die Möglichkeiten schon in der Konzeptionsphase begrenzt – Apps, die auf nutzergenerierte Inhalte setzen, könne diese z.B. nur schwer kostenpflichtig machen, ohne die interne Dynamik zu zerstören.
  • Welche Smartphone Betriebssysteme und Devices sollen unterstützt werden – technische Grundlagen, Anwenderstruktur und die Vorgaben der Provider können bereits zu ersten Einschränkungen der Bezahloptionen führen
  • Welche Zielgruppe soll mit der App angesprochen werden – die Affinitäten für einzelne Bezahloptionen sind hier sehr unterschiedlich verteilt, zudem z.B. Kinder und Jugendliche auf klassiche Bezahlmöglichkeiten oft keine Zugriff haben
  • In welchen Ländern soll die App releast werden, bzw. wo liegen die Schwerpunkte – der letzte Artikel zu den asiatischen App Stores hat ja z.B. gezeigt, dass Nutzer in Fernost weniger zu In-App-Käufen tendieren als in Westeuropa. Im Extremfall müssen verschiedene App-Varianten für einzelne Regionen erstellt werden.
  • Erfolgt die Distribution über die offiziellen Smartphone App Stores oder andere Kanäle – hier legen die Richtlinien der App Stores bindende Rahmenbedingungen fest. Gerade Apple hält Entwickler gerne an der kurzen Leine – bietet aber dafür auch großes Umsatzpotential.
  • Gibt es Vorgaben bezüglich Budget / Entwicklungszeit – bei eng kalkulierten Projekten können durch die technische Komplexität bzw. Vorlaufzeit einige Finanzierungsvarianten eventuell gestrichen werden
  • Wie viel Aufwand soll das Management der App nach Release erzeugen – der benötigte Zeit- und Ressourceneinsatz für eine optimale Rendite wird hier sehr gerne unterschätzt. So verlangt zum Beispiel die Werbefinanzierung permanentes Monitoring und A/B-Tests, um während der Laufzeit die Werbestruktur stetig anzupassen.
  • In welchem Zeitraum soll die Refinanzierung erfolgen – ist die App also womöglich Teil einer langfristigen Geschäftsstrategie oder sollen die Kosten einfach so schnell wie möglich wieder in der Kasse landen
  • Auf welche (technischen) Ressourcen hat man Zugriff – ja, in einer optimalen Welt hat man immer das passende Know-How parat. Manchmal kann es aber sein, dass eine Smartphone App aus Budget-, Zeit- oder sonstigen Gründen von einem weniger versierten (inhouse-)Team erstellt oder später betreut werden muss. Hier sollte man ggf. auf die Einbindung komplexer Prozesse (etwa vielfältige In-App-Käufe / Abo-Modelle) verzichten und auf einfache Varianten zurückgreifen

Wir können hier nur einen unvollständigen Abriss geben, die Liste lässt sich nahezu beliebig erweitern – zudem sind viele der obigen Fragen oft selbst erst das Ergebnis vorhergehender Analysen oder Planungsphasen. Es soll aber gezeigt werden, dass die Finanzierungsfrage keine triviale ist, und auch keine die man sich erst nach Abschluss der App-Entwicklung stellen sollte.

Weiter geht es mit dem 2. Teil des Artikels, der das klassische Finanzierungsmodell per kostenpflichtigem App-Download näher beleuchtet. Wir freuen uns über anregende Diskussionen mit Euch.





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